ccda  Deutsch-Dominikanische
Industrie- und Handelskammer

Camara de Comercio, Industria
y Turismo Dominico Alemana
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Praktikantenseite

Auf dieser Seite werden die Erlebnisberichte von Praktikanten veröffentlicht, um nachfolgenden Praktikanten oder Urlaubern die Möglichkeit zu bieten, sich auf den Aufenthalt in der Dominikanischen Republik vorzubereiten. Gerne werden Ihnen Ihre Fragen per Mail beantwortet.
Voraussetzung für ein Praktikum:
1) Immatrikulationsbescheinigung

2) Passbild
3) Bewerbungsschreiben
4) Curriculum Vitae, ausführlich
5) Ein Studium der Wirtschaftswissenschaften, zumindest als Nebenfach
6) Bestandenes Vordiplom oder Zwischenprüfung
7) Spanischzeugnis mit sehr guten oder zumindest guten Noten
8) Gute Englischkenntnisse
9) Computerkenntnisse  in Excel, Word, Outlook und Internet
10) Hilfreich: ein Empfehlungsschreiben von einem Professor/Dozenten oder früherem Arbeitgeber


Maite Blanco

Christoph Hille (Nov-Feb. 1998/1999)
Gittebritt Pintsch (Februar-Juni 1999)
Sabine Rapp (10. Januar 2000-31.03-2000)
Jasmine Begg (Februar-April 2001)
Jutta Cohausz (19. August – 18. November 2001)
Claudia Bergmann (01. November - 07. März 2003)
Praktikantenvereinbarung

Jutta Cohausz
| Die Arbeit | Die Dominikaner und ihre Arbeit | Sprache | Strassenverhältnisse | Blondinen bevorzugt |
| Lebenshaltungskosten | Finanzen | Wetter | Stromausfall und Wassermangel |
| Waschtag | 11. September | Botschaftsempfang 3. Oktober | Nordküste |
| All Inclusive | Goldwaschen | Tauchen | Sierra de Aqua | Lago Enriquillo |

Die Arbeit
Zugegeben, ich war ziemlich überrascht, wie klein die einzige AHK in der Karibik ist. Allerdings zeigen sich die Vorteile sehr schnell. Zum einen kriegt man als Praktikant einfach alles mit, was in der Kammer vor sich geht, und ist nicht auf einen Bereich festgelegt. Und es ist eben sehr abwechselungsreich sowohl in der Messebetreuung als auch in der Zusammenarbeit mit dem SES (Senior Experten Service, eine Organisation von pensionierten Geschäftsleuten und Ingenieuren, die ohne Gehalt Beratungstätigkeiten für Unternehmen in Entwicklungsländern durchführen) und der GTZ (Gesellschaft für technische Zusammenarbeit) und den anderen Kammern mitzuarbeiten. Außerdem kommen natürlich viele Anfragen zu Geschäftskontakten zwischen deutschen und dominikanischen Unternehmen, die sehr unterschiedlicher Art sind. Auch stehen immer wieder Projekte an. Bei mir war das ein Seminar der Föderation der europäischen Kammern (Un dia con Europa), das über die Möglichkeiten und Probleme des Handels zwischen der Dom.Rep. und der EU ging. Übrigens ist es echt interessant, daß bei der Arbeit relativ gleichberechtigt Deutsch, Spanisch und Englisch benutzt werden, je nachdem, woher die Anfragen kommen.
Das Seminar selbst war allerdings eine Reise wert. Wir kamen dann mit den Unterlagen an, haben im Hauruckverfahren unsere Sachen arrangiert während schon die ersten Teilnehmer kamen, und dann hat alles auf den Präsidenten gewartet. Nein, kein Kammerpräsident, auf den Präsidenten der Republik, Hipolito Mejia, der der Eröffnung beiwohnen sollte. Der kam dann mit landesüblicher Verspätung und ungefähr 30 Leuten plus Sicherheitspersonal an. Trotzdem sind solche Auftritte hier lockerer als in Europa, ich habe zwei Fotos aus etwa 3m Entfernung machen können. Allerdings war ich doch etwas erstaunt, daß er seinen eigenen Stuhl mitbrachte, sozusagen den Regierungssitz, haha. Und einen Adjudanten der ihn tragen durfte. So einen richtigen Thron, mit Wappen und Schnitzereien und so. Starker Auftritt. Dann wurden die Eröffnungsreden gehalten, die Pressefotos gemacht, und weg war Hipolito (den nennen hier alle so). Das Seminar bestand aus Vorträgen von verschiedenen Beteiligten des Handels zwischen Europa und hier, also z.B. einem Staatssekretär der EU, Vertretern der Dachverbände der hiesigen Wirtschaft, Vertretern der hiesigen Regierung, der Gesellschaft für Außenhandel, der Handelskammer, etc. Die waren super interessant und es kamen einige wirklich gute Anregungen für Handel und Politik. Wobei es lustig war zu hören, daß die Vertreterin der Handelskammer die europäische Bürokratie bemängelt hat, in der es so viele komplizierte Schritte gibt und alles so lange dauert. Nicht, daß ich ihr widersprechen wollte, aber das von hier zu hören war wirklich typisch. Die sind hier nämlich nicht schneller in ihrer Bürokratie, ganz und gar nicht. Allerdings ist mir aufgefallen, daß bei Dominikanern im Geschäftsleben möglichst alles gestern passiert sein muß, es sei denn sie sind selber zuständig. Dann allerdings ist übermorgen noch zu früh. Das bringt mich auf ein neues Thema:

Die Dominikaner und die Arbeit

Dominikaner schauen für ihr Leben gern anderen Leuten bei der Arbeit zu. Faszinierend, wirklich, die können stundenlang an Baustellen stehen oder sitzen und sich anschauen, wie gebaut wird.

Andererseits ist das Arbeitstempo hier für den durchschnittlichen Mitteleuropäer durchaus ein Anlass für gewalttätige Phantasien. So hin und wieder überkommt einen der fast unwiderstehliche Drang, die Leute zu schütteln oder gar mit dem Kopf gegen etwas Hartes oder aneinander zu hauen. Es ist wirklich unglaublich, wie langsam man sich bewegen kann ohne ins Koma zu fallen. Mein liebstes Beispiel ist auch hier mal wieder die Bank, wo ich meine Reiseschecks einlöse.

Auch beim Essen in sogenannten Schnellrestaurants kann man das prima beobachten. Kein

Kantinengänger würde glauben, wie das Essen dort auf den Teller zelebriert wird. Erst eine Unmenge an Reis, dann wird mit viel Liebe und Sorgfalt ein Fleischstück ausgesucht, d.h. im Topf wurde herumgerührt, eines herausgefischt, betrachtet, für falsch empfunden, wieder hineingelegt und neu gerührt. Diese Prozedur wiederholte sich so 3 bis 4 Mal pro Person, bis das adäquate Stück gefunden war. Dito bei der Beilage (fritierte Auberginen- oder Bananenscheiben o.ä.) Dann kam Salat dazu, die Bohnen extra (Bohnen und Reis gibt es hier anscheinend zu jedem Essen, das war einmal sogar Beilage bei einer Lasagne, zusammen mit Kartoffeln) und dann Servietten und Besteck. Da dauert es schon mal 10 Minuten für 2 Essen. Wenn ich mir das Tempo in der Mensa in Köln vorstelle, dann kann ich die Meuterei schon sehen ;-)

 

Die Sprache

Das Spanisch hier ist allerdings eine Herausforderung. Man kann getrost fast alles vergessen, was man glaubte über Spanisch zu wissen. Hier wird komplett das s verschluckt und r und l sowie v und b beliebig ausgetauscht. Das ganze geht in einem Mordstempo. Das macht es manchmal echt schwierig die Einheimischen zu verstehen. Im Supermarkt ist mir z.B. mal Folgendes passiert: Ich kam an die Kasse und fing an, meine Sachen aufs Band zu legen. Die Kassiererin fragte mich irgendwas. Ich: Häh? Sie wiederholte das Ganze noch mal im gleichen Tempo. Langsamer geht hier nicht, deutlicher erst recht nicht, das kriegen die meisten nicht hin, selbst wenn sie wollen. Jedenfalls wurde ihre Kollegin aufmerksam und fragte meine Kassiererin, ob ich kein Spanisch könnte. Sie: Nö. Ich: Ich spreche schon Spanisch, ich habe nur nicht verstanden, was sie von mir will. Die Kollegin: sie will wissen, ob sie anfangen kann, die Einkäufe in die Kasse einzugeben ------ Öh. Wofür war ich gleich wieder an die Kasse gekommen? Mal ehrlich, wer kommt denn darauf, das eine Kassiererin so was fragen kann?

Die Straßenverhältnisse

Also, der Straßenverkehr ist hier so ne Sache für sich. Fahrbahnbegrenzungen gibt es hier selten und wenn, werden sie nicht beachtet. Hier weiß jeder genau, wie breit sein Auto ist, und das wird auf den Zentimeter getestet. Gehweg bedeutet hier, dass es recht unwahrscheinlich

ist, über den Haufen gefahren zu werden. Das sagt allerdings nichts darüber aus, ob man sich vielleicht den Hals bricht, weil sich plötzlich ein tiefes Loch auftut, oder Geröll von Bauarbeiten im Weg liegt, der Gehweg überwuchert oder unter Wasser oder frisch betoniert ist (natürlich nur wie ein Flickenteppich). Laufen ist hier eh nicht so angesagt, das machen anscheinend nur arme Leute. Aber für so was gibt es ja im Zweifel öffentliche Verkehrsmittel. Da ist zunächst mal das carro publico. Ein carro publico ist eine Art Sammeltaxi. Das stellt sich so dar, dass meistens 4 Räder und ein Lenkrad existieren und bei den meisten die Hupe funktioniert, die auch ausgiebig benutzt wird. Dazu später mehr. Diese Wagen sind jedenfalls mit 5 Personen völlig unterbesetzt, richtig lustig wird es erst, wenn man zu 7 drin sitzt. Die fahren dann eine bestimmte Hauptstraße ab, und wenn man raus will sagt man kurz Bescheid, dann wird angehalten. Das ganze ist recht preiswert, mit 5 Pesos ist man dabei. Wenn ich in die Stadt will muss ich umsteigen, da sind es dann eben 10 Pesos. Aber Achtung, das Fahrgeld sollte man passend in der Hand haben und das restliche Geld möglichst nah am Körper. Ausweise sollte man nur in Kopie mitnehmen, die Taschendiebe sind verdammt gut.

Außerdem gibt es natürlich Taxen. Hier ist es angesagt sich erst mal nach dem offiziellen Preis zu erkundigen und diesen dann mit dem Taxifahrer zu klären bevor man einsteigt. Das hilft zwar auch nicht immer, schafft aber eine bessere Diskussionsgrundlage. Allerdings sind Taxen mit Vorsicht zu genießen. Hilfreich ist es besonders nachts einen Taxifahrer zu finden, den irgendwer kennt. Denn selbst Taxen sind nicht unbedingt ungefährlich nachts, besonders wenn man als nicht- Einheimischer gilt.

Sehr nett sind auch die motoconchos, Motorradtaxen, die man allerdings in Santo Domingo kaum sieht. Motorräder werden bis zum Anschlag beladen, auf einem Mofa habe ich mal eine 5- köpfige Familie gesehen. Jedenfalls sind sie eine angenehm luftige Alternative zu Sammeltaxen, und auch nicht viel teurer. Allerdings hat nur der Fahrer Helmpflicht (die meisten tragen trotzdem keinen), daher ist Vertrauen angesagt.

Für weitere Strecken gibt es dann auch noch Busse. Da gibt es Reisebusse, die man ohne dicken Pulli nicht betreten sollte, die einen aber recht preiswert über die Insel bringen, und die Busse, die man an der Straße anhält. Im Zweifel vorher jemanden fragen, der sich damit auskennt.

Auf keinen Fall empfehlen würde ich selber fahren, vor allem in Santo Domingo. Nach einigen Wochen Beobachtung des Verkehrs kann der erfahrene Fahrer es ja versuchen, ich persönlich habe es schön gelassen.

Blondinen bevorzugt

Das klingt zwar erst mal klasse, kann aber ganz schön lästig sein und geht auf der Straße los. Das bringt mich zurück zu den Hupen. Hupen werden hier laut und lustig zu jeder Gelegenheit und weit weniger aggressiv als in Deutschland benutzt, z.B. für "Achtung jetzt komme ich", oder "Taxi gefällig?" oder "Hey Schätzchen, heute schon was vor?" Letzteres wird meistens begleitet durch Fahren in Schritttempo und einer Tirade auf Spanisch durchs offene Fenster, die üblicherweise "Nena", "Baby", "Linda", "Bella", "Rubia" oder "Hermosa" enthält. Mehrfachnennungen sind nicht nur möglich, sondern auch wahrscheinlich. Bei der Gelegenheit kann man dann prima den Bildungsstand der Bevölkerung testen. Wenn nämlich keine Reaktion erfolgt und derjenige hat etwas Bildung, kommt das gleiche dann noch mal in Englisch, denn es kann ja nicht sein, dass eine Gringa ein solches Angebot ablehnt, das hat sie dann wohl einfach nicht verstanden. Übrigens ist es erstaunlich, was in der Dominikanischen Republik alles als blond gilt. Und das ist wirklich nicht zu unterschätzen, ich war manchmal wirklich extrem genervt, und ich bin schon viel in Lateinamerika unterwegs gewesen. Nicht, dass das einheimische Frauen nicht betrifft, aber mich persönlich hat das wenig getröstet. Ich habe mich mit einigen einheimischen Frauen unterhalten, und auch die leiden unter den Attacken der Männer, die sich auch nicht immer nur auf Sprüche beschränken. Nicht, dass sie sich wehren würden. Interessanterweise ist es hier erholsam an Baustellen vorbeizugehen. Wer bei dem Wetter körperlich hart arbeiten muß,

dem vergehen die Sprüche. Wie auch immer, was das betrifft habe ich jedenfalls alles durch. Vom frommen Wunsch, Gott möge die Blondinen segenen, über "Gringa", "Americana" (hier macht man so feine Unterschiede wie Amerikaner und Europäer nämlich nicht), und den üblichen Quatsch bis hin zu den superdreisten Angeboten wie 1 US$ für Sex auf dem Bürgersteig war alles dabei. Gut, wenn man also schafft, das alles zu ignorieren, machen sie sich entweder über die dumme Gringa lustig, die kein Spanisch versteht, oder das Ganze wiederholt sich auf Englisch. Und wenn auch das abprallt, dann kann es schon mal zu Beschimpfungen a la “Rassistin” kommen, weil eine Gringa es wagt sie zu ignorieren. Das machen die einheimischen Frauen zwar auch, aber das ist ja etwas anderes. Nicht, daß das alle so machen, aber es kommt regelmäßig vor. Anscheinend nehmen hier die Väter die Söhne an die Hand und bringen ihnen Bemerkungen bei, oder so.Gleich am ersten Tag hat einer sein Ding für mich ausgepackt, auch interessant.

Eine nette Sache kann ich dann aber doch noch berichten: ich war mal wieder unterwegs gewesen und hatte mir die üblichen Sprüche angehört. Kurz bevor ich nach Hause kam war ich dann doch leicht genervt, als schon wieder jemand anfing. Den habe ich natürlich erst mal ignoriert. Aber plötzlich schallte es hinter mir etwa 2 Oktaven höher "Guten Tag". Der Typ klang wie ein Mainzelmännchen, das war nicht zu ignorieren. Da musste ich dann wirklich lachen.

Übrigens wird das erheblich besser, wenn Frau in männlicher Begleitung unterwegs ist. Ein Mann kann mit 5 Frauen in eine Bar oder Disco gehen und wird automatisch für alle Frauen als zuständig betrachtet. Da werden die Dominikaner plötzlich artig, jeder Kontakt zu den Frauen läuft dann erst mal über den anwesenden Mann. Das hat irgendwie was.

Die Lebenshaltungskosten

Das Leben in Santo Domingo ist übrigens keineswegs großartig billiger als zu Hause. Die US-Fastfoodketten sind alle teurer, Restaurants in etwa gleich, und ein kaltes Bier kostet in der Kneipe 30-35 Pesos, was wirklich teuer ist (ca. DM 4). Na ja, beim Essen geht es auch billiger, hier gibt es solche Restaurants, die mittags eine Art Kantinenersatz dienen. Die können echt ganz ordentlich sein. Die Preise sind schon ok, man darf eben nur nicht glauben, dass man weniger Geld ausgibt als zu Hause. Billiger sind hauptsächlich Reis, Bohnen, Bananen und Rum. Wem das natürlich reicht, kann hier mächtig billig wegkommen, aber schon bei Brot und Milch hört es auf.

Finanzen

Auch sehr interessant ist hier der Umgang mit Reisechecks. Das ist nur was für Geduldige, weswegen ich etwas überfordert war. Diese Prozedur ist etwas komplizierter als einfach zum Schalter zu gehen. Erst muss eine Angestellte bei einer Zentrale die Schecks bestätigen lassen, dann den Wechselkurs ausrechnen (das ist ein Fixkurs!!!), das dann wieder absegnen lassen und das ganze dann an einen Schalter zum Kassierer bringen. Klingt ja eigentlich nicht hoch dramatisch, hier nimmt so was aber Dimensionen an. Zunächst mal machen das nur 3 Angestellte, von denen eine immer irgendwie nicht da ist. Die ruft dann irgendwo an und kriegt eine Bestätigungsnummer und ein Kennwort, notiert sich das auf einen Zettel und kann dann beim Abschreiben ihre eigene Schrift nicht mehr lesen. Dann wird ein Formular im Schneckentempo ausgefüllt, die Reiseschecks werden mit meinem Namen und meiner Passnummer versehen und sie verschwindet für geraume Zeit. Dann gibt sie das Ganze einer Kassiererin, die das Formular (4 Durchschläge) vier Mal stempelt, über den Betrag in Pesos einen Scheck ausstellt und ein neues Formular ausfüllt, das ich dann mit einem Durchschlag von dem anderen Formular mit meinem Geld bekomme. Ich kann also nur empfehlen, die Wechselstuben für Reiseschecks zu benutzen, das ist einfacher. Andererseits funktionieren bei einigen Banken auch einfache ec- Karten aus Deutschland.

 

Das Wetter

Mit schwüler Hitze muss man in Santo Domingo natürlich rechnen, man kann sich aber dran gewöhnen. Mein Kreislauf hat mich eins, zwei Mal verlassen, ich würde also Kreislauftropfen für die Reiseapotheke empfehlen. Sehr hohe Luftfeuchtigkeit bei 35 Grad und kein Lüftchen regt sich, da helfen nicht mal mehr die Gewitter, die zwischendurch runterkommen, im Gegenteil. Einmal bin ich abends um 20.30h nach Hause und kam nassgeschwitzt an. Wenn die Temperaturen dann doch mal in die 20er absinken, was nach Dauerregen mal passieren kann, kommen gleich einige Dominikaner im Pullover daher. Ich habe schon beim Zusehen geschwitzt, und ich bin doch eine ziemliche Frostbeule. Aber na ja, wenn das die Tiefsttemperaturen des Jahres sind...

 

Stromausfall und Wassermangel

Der Strom fällt ziemlich häufig aus, allerdings wird das im nächsten Jahr besser, wenn Gott will. Das ist ein Phänomen übrigens, alles wird bald besser, wenn Gott will. Aber das war nicht das Thema. Man hat gute Chancen zu merken, wenn um 5 Uhr morgens der Strom ausfällt. Man wird wach, weil es so warm ist, weil der Ventilator nicht läuft. Dann freut man sich so richtig auf eine kalte Dusche (warmes Wasser gibts hier nicht, was in diesem Fall aber nicht so tragisch ist) gefreut. Ich bin mir nicht sicher, wie weit das zusammenhängt, der Wasserdruck ist hier nie so stark. Jedenfalls, an dem Morgen habe ich mit einer Schüssel geduscht und bin auf dem Weg zur Arbeit 10 Minuten durch den Supermarkt marschiert, zum Abkühlen. Das Ganze ist im Prinzip ja schon ziemlich komisch. Ich habe sogar versucht, mit einem nassen T-Shirt zu schlafen, aber das hat auch nicht richtig gekühlt, es gab ja keine Verdunstungsmöglichkeit.

Waschtag

Meine Vermieterin hatte eine Waschmaschine, die heißt Marina und kommt jeden Donnerstag zum Laken waschen und putzen. Ja, kaum zu glauben, aber ich habe in handgewaschenen Laken geschlafen. Der einzige Nachteil war, dass ich meine Kleidung natürlich selbst waschen mußte. Das geht ja noch bei T-Shirts und Unterhosen, aber wer schon mal ein Handtuch oder eine Jeans im Urlaub gewaschen hat, weiß wovon ich rede. Man kriegt den Krempel nicht ordentlich ausgewrungen. Wirklich ärgerlich daran ist aber, daß hier das Wetter recht schnell umschlagen kann. Die nicht genug ausgewrungene Wäsche braucht natürlich auch bei diesen Temperaturen eine ganze Weile zum trocknen. Darauf kann man dann mit einem guten Buch warten, wegen der Wetterumschwünge sollte man sich nämlich nicht zu weit weg bewegen. Wenn frisch gewaschene Wäsche nämlich hier auf der Leine nass wird und neu trocknet riecht sie wie durchgeschwitzt, zusammengeknüllt und drei Wochen in der Ecke liegengelassen, wegen der hohen Luftfeuchtigkeit hier, was das Trocknen noch mal verkompliziert. Na ja, wenigstens bin ich so zum Lesen gekommen.

Der 11. September

Hier in der Dominikanischen Republik hat man es extrem schwergenommen. Das Land hat 3,2 Millionen Einwohner, und noch mal 1 Mio Dominikaner lebt in New York. Da kann man sich - vor allem bei katholischen Familienverhältnissen - ungefähr vorstellen, dass jeder einzelne hier Freunde und Verwandte in NY hat. So habe ich die Dominikaner auch noch nie erlebt. Normalerweise laufen die Fernseher hier auf voller Lautstärke und werden von Radios und den Einheimischen fröhlich übertönt und keiner hört hin. Am Dienstag klebte alles vor dem Fernseher, und es wurde nur sehr wenig geredet. Die Leute haben nur fassungslos zugeschaut, wie die Türme in sich zusammensackten. Schrecklich. Ich war fast den ganzen Tag in der Deutschen Botschaft und habe ferngesehen. Bei der Arbeit war sowieso nichts zu tun, ich glaube, die ganze Welt hat nur ferngesehen. Die US-Botschaft und das Konsulat sind hermetisch abgeriegelt worden, da ging tagelang gar nichts, und selbst die Deutsche Botschaft hat einen Soldaten zur Bewachung bekommen. Der hat sich aber, glaube ich, ziemlich gelangweilt und lieber Zeitung gelesen.

 
Der Botschaftsempfang zum 3. Oktober

Das war einer von den typisch dominikanischen Tagen, an denen Improvisation gefragt ist. Wir waren für 20h eingeladen. Ich bin also um 17h von der Arbeit nach Hause gesprintet zum Duschen, Umziehen, Schminken, etc., weil mein Chef, der die Residenz der Botschafterin und deren massives Parkplatzproblem schon kannte, mich um 19.15h abholen wollte, damit wir etwas zu früh da sind. Ich komme also völlig abgehetzt zu Hause an, und - Überraschung - wieder einmal gibt es keinen Strom. Am Vortag war der Strom schon so lange ausgefallen, daß ich abends noch zum Abkühlen in ein Einkaufszentrum gerannt bin. Na ja, das fiel mangels Zeit natürlich aus. Das Problem mit den Stromausfällen ist, daß auch der Wasserdruck massiv abfällt. Und ich war dank des heißesten Wetters seit ich hier bin und des ersten Strom- und Generatorausfalls bei der Arbeit wirklich reif für eine Dusche. Also hieß es, einen Eimer unter den voll aufgedrehten und vor sich hintropfenden Wasserhahn zu stellen und mit einer Schüssel notdürftig Wasser zu schöpfen und zu duschen. Das hätte ich natürlich gerne gemacht, kurz bevor ich gehe, weil man ja ohne Ventilator sofort wieder durchgeschwitzt ist. Aber da tat sich dann das zweite Problem auf. Es ist wirklich nicht einfach, sich in der Dämmerung oder beim Licht einer Petroleumlampe zu schminken. Das ging dann auch ziemlich auf gut Glück. War aber wohl nicht so schlimm, ist keinem weiter aufgefallen. Danach habe ich etwa 1 Stunde lang versucht möglichst wenig zu schwitzen. Die Botschafterresidenz ist der Hammer. Ein großzügig geschnittenes, extrem elegantes Haus mit einem wunderschönen Blick über die Stadt. Der offizielle Teil also: zuerst wurden die beiden Nationalhymnen gespielt, dann sprach die Botschafterin, dann ein Vertreter der hiesigen Regierung, und dann wurde das Büffett eröffnet. Ja wer sagts denn, endlich mal wieder Thüringer Würstchen. Und Weißwürstchen, aber die habe ich ausgelassen. Aber wunderbar deutsch eben, war ganz witzig. Jedenfalls habe ich mich mit ein paar Leuten nett unterhalten, bin von der halben Botschaftsbesetzung ohne Brille und Pferdeschwanz nicht auf Anhieb wiedererkannt worden, was ihnen dann recht peinlich war, aber enormen Unterhaltungswert hatte, und um kurz nach 22h leerte sich das Anwesen so langsam. Ich habe zwar gehört, daß solche Empfänge üblicherweise nicht viel länger gehen, aber ich persönlich glaube, daß es eine Menge damit zu tun hatte, daß denen das Bier ausgegangen ist. Bißchen peinlich, eigentlich. Der Deutschen Botschaft geht das Bier aus. Na ja, vielleicht wars ja auch Absicht. Manche Leute gehen ja sonst nie ;-)

Als ich gegen 23h nach Hause kam gab es Strom. Das ist vor allem deswegen erwähnenswert, weil um 2h damit schon wieder Essig war. Was in Anbetracht der Hitzewelle der letzten Woche hieß, kein Schlaf mehr möglich. Am nächsten Morgen bin ich also tatsächlich zu früh ins Büro, nur weil ich mich an der Klimaanlage erfreuen wollte. War ein harter Tag.

Die Nordküste

Ich bin nach Sosua gefahren, und habe es genossen, zur Abwechslung mal nicht die einzige Blondine zu sein. Abgesehen davon hatten diese Städtchen im Norden für mich den massiven Vorteil, dass sie vom Tourismus leben und es sich daher nicht leisten können, ständig Sprüche zu bringen. Ich hätte ja nie gedacht, dass ich das ausgerechnet von Sosua mal sage, aber was für eine Erholung! Den Strand dort habe ich dann allerdings doch gemieden, weil dort die Verkäufer sehr aggressiv sind, und bin in den Nachbarort Cabarete gefahren, ein Surferparadies, wo im Herbst nicht viel los war. Dort ist der Strand wirklich wunderschön. Außerdem konnte ich dort ein paar deutschsprachige Bücher kaufen. Nicht, dass ich was gegen spanische Lektüre hätte, aber wenn ich von der Arbeit komme ist es doch auch mal ganz schön entspannend, einfach nur etwas deutsches zu lesen. Und das ist hier in der Hauptstadt nicht zu kriegen. Abgesehen davon ist es im Norden ein paar Grad kühler und sehr schön windig, also habe ich endlich mal wieder zwei Nächte durchgeschlafen. Mir ist nachts sogar mal etwas kühl geworden. Solche Kleinigkeiten lernt man hier wirklich schätzen.

An einem anderen Wochenende bin ich dann wieder in den Norden gefahren, weil in Cabarete ein kostenloses Jazzkonzert am Strand angekündigt war. Bei der Gelegenheit habe ich einen Haufen Amerikaner kennengelernt, die auf Studentenaustausch in Santiago waren, und einen Dominikaner, der 1. blond war (ausgesprochen Latino von den Zügen her - und auch von seiner Art, aber blond) und 2. ein Jahr in Oldenburg verbracht hat. Die Sprache des abends war also deuspanglisch im fröhlichen Mix. Und die Musik? Also, das war alles Mögliche, nur sicher kein Jazz, was der Stimmung aber absolut keinen Abbruch getan hat. Bei einer Band trat ein Showtanzpaar auf. Der Tanz war Salsa, und das Paar war schätzungsweise zwischen 50 und 60. Aber wow waren die sexy! So was ist eben echt Latino :-) Überhaupt war das Durchschnittsalter auf der Bühne ziemlich hoch. Irgendwie drängten sich Vergleiche mit dem Buena Vista Social Club auf. Aber die Stimmung war einfach gut, das Publikum zwischen 1 und 99 Jahre alt und auf jeweils ca. 30 Besucher kam eine Fernsehkamera. Am Strand wurde Salsa getanzt und Cuba Libre -oder die dortige Version mit Sprite, Santo Libre - getrunken, es war also alles genau so, wie man sich die Karibik im allgemeinen vorstellt. Die Insel lag an dem Wochenende unter einem Tiefdruckgebiet, das aber offensichtlich mit dem Jazzfestival war, denn wir konnten von weitem beobachten, wie die Wolken abregneten.

Auch sehr empfehlenswert ist Samana, aber da habe ich es während des Praktikums irgendwie nicht hingeschafft.

All inclusive

Ein Wochenende war ich auch in einem All- Inclusive- Hotel. Ich bin da wirklich kein Fan von, aber ich hatte Besuch aus Deutschland. Es hatte aber auch seine Vorteile. Wahnsinn, unglaublich, welche Freude! Fließend warmes Wasser in duschbarer Menge! Das hatte ich über 2 Monate nicht. Nur machen sie es einem in diesen All-Inclusive Hotels mächtig schwer, das Hotel zu verlassen. Zu den öffentlichen Verkehrsmitteln muß man eine ganze Weile laufen. Also haben wir uns zu dritt mal ein Taxi gegönnt und sind nach Puerto Plata gefahren. Nicht, daß das so einfach war. Zuerst mal saß in dem Taxi ein Führer, der uns die Stadt zeigen wollte. Als wir den glücklich rausbuchsiert hatten und in Puerto Plata angekommen waren, wollte der Taxifahrer uns in einen Souvenierladen jagen und auf uns warten. Das heißt dann draufzahlen, weil der Fahrer dort Prozente kriegt, und von der Stadt hätten wir Null gesehen. Weswegen wir also den Taxifahrer abgeschoben haben. Da tauchte auch schon das nächste Problem auf: in diesen All-Inclusive Hotels kriegt man diese Hundemarken, diese lustig bunten Bändchen ums Handgelenk, die außerhalb des Hotels die Preise dann gleich mal um 150% steigen lassen. Abgesehen davon, daß man sich genauso gut ein Schild um den Hals hängen könnte, ich bin doof, nehmt mich aus. Jedenfalls waren wir erst einmal ca 10 min damit beschäftigt, alle potentiellen Führer loszuwerden, die uns ja völlig umsonst alles gezeigt hätten. Nur, daß die Preise dann überall noch mal gestiegen wären und sie nachher ein Mordstrinkgeld verlangt hätten, schönen Dank auch. Nachdem wir also auch den letzten penetranten Führer losgeworden waren sind wir ein bißchen durch die Stadt gestreift und haben dabei ein Bernsteinmuseum entdeckt. Wirklich nett. Natürlich gab es am Ende des Besuchs auch den obligatorischen Souvenierladen mit Bernstein und Larimar (ein hellblauer Stein, den es nur hier gibt) und natürlich hat der Verkäufer uns erst mal durch die teure Abteilung gelotst. Der Laden hatte 3 Vorteile: zum einen war alles mit Preisen versehen, was in diesem Land eine absolute Seltenheit ist, zum anderen wurde der Eintrittspreis des Museums mit den Einkäufen verrechnet, und außerdem kann man sich dort noch am sichersten sein, echte Steine gekauft zu haben, worauf ich bei weitem nicht überall zählen würde.

Danach sind wir noch ein bißchen bummeln gegangen, wobei allein die Tatsache, daß ich Spanisch spreche uns ein wenig bei den Preisen geholfen hat (keine Illusionen- sicher haben wir immer noch überall zu viel bezahlt) und ruckzuck waren 5 Stunden um. Wir sind dann mit dem Guagua (so heißen hier die Busse) für 5 Pesos pro Person zurück zur Anlage gefahren. Das war 160 Pesos billiger als das Taxi. Gar nicht schlecht halt, geht aber eben nur, wenn man sich ein bißchen in der Gegend auskennt.

Goldwaschen

An einem anderen Wochenende bin ich einen Tag zum Goldwaschen gefahren. Dafür sind wir also ein paar Kilometer ins Landesinnere gefahren, an einen kleinen Fluss, der aus den Bergen kam. Das alleine war schon den Aufwand wert, zum ersten Mal seit ich hier bin habe ich wirklich kaltes Wasser erlebt, nicht fast lauwarm wie aus der Dusche oder ganz lauwarm wie das Meer. Toll war das, an einer Stelle konnte man auch schwimmen. Aber das war ja nicht der Hauptgrund des Ausflugs. Walter hat uns also gezeigt, wie man mit einer Goldpfanne Gold wäscht. Was für ein mühseliger Prozess, erst muss man die großen Steine aussortieren, dann immer wieder Lehm wegspülen, die Kiesel durchkämmen und aus der Pfanne spülen und ganz zum Schluss vorsichtig den Sand durchspülen und schauen, ob etwas glitzert. Die Goldkörnchen, die man so im Fluss findet sind winzig, meistens nicht einmal Stecknadelkopf-groß (nicht die bunten Stecknadeln, die mit Metallkopf). Für so eine Pfanne braucht man etwa eine halbe Stunde, und wenn man dann drei Körnchen findet ist das viel. Ich habe mir sagen lassen, die Einheimischen gehen manchmal Gold waschen wenn sie Geld brauchen, aber reich werden kann man hier nicht davon, wir haben insgesamt in ca. 4 Stunden nicht einmal ein halbes Gramm gefunden. Es ist wirklich kein Wunder, dass die Taíno oft das Soll nicht erfüllen konnten, dass ihnen die Kolonialisten vorgegeben haben. Jedenfalls haben zwei Dominikaner für uns im Fluss gebuddelt und uns dann jeweils eine Schaufel voll Sand, Lehm und Steinen in die Waschpfannen gegeben, damit wir uns dann im Fluss einen Stein suchen konnten, auf den man sich setzen konnte, um dann mit der Pfanne unter Wasser zu arbeiten. Das ist echt Arbeit. Es gibt aber tatsächlich nicht wenige Leute, die der Entspannung halber Gold suchen gehen. Für mich  war es eher eine sehr interessante Erfahrung, und am Fluss war es wunderbar kühl, was auch mal eine schöne Abwechselung war. Auf dem Heimweg haben wir dann noch auf einer Finca haltgemacht, wo es typisch dominikanisches Essen und einen Pool gab. Und dazu eine tolle Aussicht auf die Berge. Diese Finca war wirklich ein krasser Gegensatz zu den Bretter- und Wellblechhütten, an denen wir auf dem Weg zum Fluss vorbeigekommen waren, und vor denen Kinder mit Reifenfelgen und Stöckchen gespielt haben. Auf jeden Fall war es ein lohnender Ausflug.

Tauchen

Also, Tauchen in Boca Chica ist echt klasse. Es gibt verschiedene Tauchgebiete die ausgesprochen lohnend sind. Einmal haben wir einen Hai in freier Wildbahn gesehen, einen Ammenhai, der etwa so groß war wie ich und unter einer Korallenbank lag und. Aber keine Panik, Ammenhaie sehen zwar schon wegen ihrer Größe nicht so aus, sind aber völlig ungefährlich für Menschen. Die Fische waren fast neugieriger auf uns als wir auf sie (und wir waren ja ihretwegen Tauchen gegangen). Sie tobten jedenfalls in bunten Schwärmen um uns herum und schwammen uns direkt vor die Taucherbrillen. Einer hat dann auch gleich mal versucht meine Hand anzuknabbern, was aber nicht weh tut bei den kleinen Fischen ohne Zähne. Wirklich witzig war allerdings, daß die Fische hier anscheinend auch noch nicht viele Blondinen gesehen haben. Die kamen jedenfalls alle zu mir an, und ein paar vorwitzige haben mal probiert, wie meine Haare schmecken, von denen wie üblich einige aus dem Zopf gerutscht waren. Leider bin ich außerdem an eine Feuerkoralle gestoßen, was ich nicht weiterempfehlen würde, weil es höllisch brennt, und zwar eine ganze Weile. Das hat mir dann im Nachhinein auch noch eine massive allergische Reaktion eingebracht, für die ich zurück in Deutschland fröhlich wochenland Kortison geschluckt habe. Also: Tauchen ist sehr empfehlenswert, aber vorsicht vor den Feuerkorallen.

Sierra de Agua

Es handelt sich dabei um ein riesiges Stück Land, auf dem er eine Anlage hat, die sich ausgesprochen schön in die Landschaft einfügt. Alles ist grün und bewachsen, von den Palmwedeldächern bis zu den Häuserwänden. Und auf den Bäumen sitzen noch mal Orchideen. Toll, ganz große Klasse. Außerdem laufen auf dem Gelände mehrere Hunde und Katzen herum, und es gehören noch 4 Papageien und 2 Raben (und unzählige Mosquitos ;-)) zum Haushalt. Das Ganze hat mächtig was von Robinson Crusoe. Jedenfalls waren wir eben sozusagen im Schoß von Mutter Natur gelandet.

Abends haben wir dann gemacht, was man im Campo eben abends macht: wir sind zu einem Colmado gefahren, um den Abend mit einem (oder zwei oder drei) Cuba Libre zu eröffnen. Ein Colmado ist eigentlich so eine Art Kiosk, ein Regal mit ein paar Konserven, Milch, Bier, Cola, Sprite und ungefähr 20 verschiedenen Sorten Rum. Zu diesem Colmado gehört dann eine Hütte (ein paar Pfeiler mit einem Dach drauf), wo dann Plastikstühle aufgestellt werden und man sich gemütlich zusammensetzt. Und alle Nase lang kommt irgendwer vorbei der irgendwen kennt und einen Schluck mittrinkt. Wenn es dunkel wird ist es eben dunkel, Strom gibt es dort eigentlich nicht. Aber Petroleumlampen, wie wir sie der Stimmung wegen schon mal benutzen. Hier sind die essentiell notwendig.

Wir saßen dort also eine Weile in netter Runde, und wie das so ist, wenn man etwas trinkt, möchte man das früher oder später wieder loswerden. Ich habe also gefragt, wo die Toilette ist. Daraufhin wurde ich erst mal ins Wohnzimmer der Ladenbesitzer geführt, die praktischerweise auch gleich hinterm Laden wohnen. Dort wurde dann in aller Ruhe nach einer Klorolle für mich geforscht, während ich mit meiner Konfirmantenblase von einem Bein aufs andere hüpfte, und dann ging es weiter ins Schlafzimmer. ? Schlafzimmer? Genau. Jetzt kommt der totale Hammer: dort zog die Besitzerin des Ladens dann eine kleine Plastikschüssel für mich unter dem Bett hervor. Da saß ich dann also, in einem fremden Schlafzimmer im Dunkeln und versuchte, eine ziemlich kleine Plastikschüssel zu treffen. Ajajaj, peinliche Sache. Aber lustig, im Prinzip. Das nächste Mal war ich dann klüger und habe mich gleich hinter einen Baum verkrümelt. Dann wurde es allerdings wirklich schwierig, denn ich wurde mit einer Taschenlampe verfolgt, damit ich mir auch nichts tue. Man kann dort ja in der Dunkelheit so über alles Mögliche stolpern. Das Problem war nur, sie kam so schnell nicht hinterher und benutzte zur Freude aller die Taschenlampe erst mal, um mich zu suchen. Ich saß also mit heruntergelassener Hose hinter einem Baum, während der Lichtkegel immer näher kam. Da habe ich es dann mächtig eilig gekriegt ;-)

Vom Colmado aus sind wir dann weiter zur Dorfdisco, was heißt Beschallung für ein Fußballstadion auf 20 Quadratmetern. Hier ist eben alles immer ein bißchen lauter als anderswo. Jedenfalls wurde dort Merengue und Bachata gespielt, Salsa eigentlich gar nicht, und wenn, hat keiner getanzt. Ein wirklich nettes Phänomen hier ist, daß es zugeht wie auf einem Schützenfest, jedes Alter ist vertreten. Wir haben also wieder in trauter Runde gesessen und Cuba Libre getrunken, nur daß hin und wieder jemand tanzen ging und noch öfter Leute vorbeikamen, die irgendwen kannten, und daß die Unterhaltung wegen der Musik in Geschrei ausartete.

Irgendwann bin ich dann ins Bett gefallen, das netterweise ein Mosquitonetz hatte. Weniger nett war, daß die Mosquitos alle im Netz waren und nicht draußen. Na ja, ist ja nichts, was man mit einem guten Mückenspray nicht beheben könnte. Nachdem ich das begriffen hatte, bin ich dann - begleitet vom klick-klack irgendwelcher Frösche (ja klick-klack, nicht quak) in seligen Schlummer gefallen.

Am nächsten Morgen war trotzdem nicht sehr viel mit mir los. War aber nicht schlimm, auf dem Grundstück gibt es nämlich einen Wasserfall mit See, wo wir dann erst mal bei sengender Hitze hingewandert sind. "Auf dem Grundstück" heißt in diesem Fall eine fröhliche 3/4 Stunde zu Fuß. Dort angekommen wollten wir dann die Ruhe und den Frieden in dem schönen kalten Wasser genießen. Dummerweise war aber Sonntag, und Dominikaner halten nicht viel von Ruhe und Frieden. Wir waren jedenfalls noch keine 10 Minuten da, da ging es dort zu wie am Hauptbahnhof im Berufsverkehr. Nach dem 2. Tritt eines achtlosen Schwimmers bin ich dann mal rausgeklettert. Wir haben uns dann relativ schnell verdrückt. Ist eben so hier, und schließlich haben ja alle das Recht auf diesen See, auch wenn er auf einem Privatgrundstück liegt. Sowas ist hier eben auch ein bißchen anders. Da war dann halt ein strategischer Rückzug das einzige Mittel, den 70- 100 feierwütigen Dominikanern zu entkommen.

Jedenfalls war dieses Wochenende auf dem Land mal eine richtig nette Erfahrung, auch die Landschaft dort ist völlig anders als in den Küstengebieten.

Lago Enriquillo

Apropos völlig andere Landschaft: Ein Ausflug an den Lago Enriquillo ist auch zu empfehlen, da hat man dann gleich das Gefühl, man ist auf einem anderen Kontinent. Plötzlich steht man in einem Kakteenwald, und Krokodile gibt es auch. Allerdings gibt es wegen der Nähe zu Haiti dort mehr Militärpräsenz, weswegen ich empfehlen würde, vorsichtshalber organisiert dort hin zu fahren, zumal die Insel, auf der die Krokodile leben, streng geschütztes Naturschutzgebiet ist, wo man ohne Führer sowieso nicht hin darf. Einfach Walter von Caribaventuras fragen.

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